Forschung

 
 
 
Was geschah im Arbeitserziehungslager Ohrbeck im Augustaschacht?

Während des Zweiten Weltkriegs existierten im Raum Osnabrück über hundert Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager von unterschiedlicher Größe.

Zwichen Holzhausen/Ohrbeck und Hasbergen befanden sich die beiden größeren Arbeitslager Hüggel und Hüggel II, die als Barackenlager angelegt waren. Auch im nahegelegenen Pumpenhaus der Wassererhaltungsanlage, dem Augustaschacht, waren im Lager Hüggel III bis Ende 1943 ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen untergebracht. Von Januar 1944 bis Ende März 1945 unterhielt hier die Osnabrücker Gestapo das Arbeitserziehungslager (AEL) Ohrbeck. Hier wurden Zwangsarbeiter inhaftiert, denen Arbeitsvertragsbruch, Arbeitsbummelei oder Arbeitsverweigerung vorgeworfen wurde, weil sie versucht hatten, sich der Zwangsarbeit zu entziehen.

Die insgesamt ca. 2000 Insassen aus 17 Nationen kamen vornehmlich aus den Niederlanden, Rußland, Italien, Polen, Frankreich und Belgien, aber auch aus anderen besetzten Ländern und aus Deutschland. Sie wurden ebenso wie die Frauen und Männer in den Zwangsarbeiterlagern Hüggel I und II gezwungen, im damaligen Rüstungsbetrieb Klöckner in Georgsmarienhütte zu arbeiten. Außerdem wurden sie nach Bombenangriffen auf Osnabrück zum Trümmerräumen abkommandiert. Zuständig für das AEL Ohrbeck im Augustaschacht waren die Gestapo Osnabrück und das Klöcknerwerk Georgsmarienhütte. Eingesperrt waren hier außerdem zeitweilig Männer, die aufgrund der NS-Rassenideologie als "jüdisch versippt" eingeordnet und verfolgt wurden, sowie Mitglieder der Zeugen Jehovas.

Nach dem 20. Juli 1944 kamen als Gewerkschafter, Sozialdemokraten oder Kommunisten bekannte Männer aus Osnabrück hinzu. Für einige Häftlinge war der Augustaschacht eine Zwischenstation auf ihrem Leidensweg in ein Konzentrationslager.

Im AEL Ohrbeck im Augustaschacht herrschten katastrophale hygienische Zustände. Zusätzlich zur körperlichen Schwerstarbeit bei völlig unzureichender Ernährung und Bekleidung waren die Gefangenen ständig der Wilkür und Brutalität der Bewacher ausgesetzt und direkten Kriegseinwirkungen, etwa bei Aufräumarbeiten in Osnabrück, schutzlos preisgegeben. Aufgrund dieser unmenschlichen Bedingungen, der Quälereien und Morde kamen eine große Anzahl von Gefangenen um. Bisher sind mit den Toten der anderen Hüggel-Lager, zu denen auch Kinder gehören, über hundert zu Tode gekommener Menschen namentlich bekannt.

Volker Issmer